Geschichte und Geschichten

Chronik:  Von den Anfängen bis zur Eingemeindung 1939


von Wolfgang Schilling


Diese Chronik  wurde im April 1979 in der Stadtteilzeitung "Blickpunkt St. Johannis" des SPD-Ortsvereins veröffentlicht (anlässlich des 40. Jahrestags der Eingemeindung nach Bayreuth)


Teil 1: bis 1600 - Entstehung und erste Kirchengemeinde

 

1142 erscheint urkundlich der Name Altentrebgast (auch Alttrebgast) im Zusammenhang mit der Zerstörung einer Burg gleichen Namens, die bei St. Johannis vermutlich am Platze des jetzigen Schloßgutes (jetzt Nebenstelle der Strafanstalt St. Georgen) gestanden hat. Die Zerstörung war die Folge von Streitigkeiten der Grafen von Andechs (Meranien) mit den Bamberger Bischöfen.

1170 bauten sich die Grafen von Andechs ein "festes Haus" (Schloß) eine Wegstunde westlich ihrer zerstörten Burg. Dort bot sich an einer Furt über den Main eine günstige Lage an. Daraus entstand Bayreuth. Man kann demnach die Gründung Bayreuths mit der Zerstörung der Burg Altentrebgast in Zusammenhang bringen.

1194 Bayreuth wird erstmalig urkundlich als Baierrute erwähnt. 1231 Bayreuth wird als civitas (Stadt) bezeichnet.

 

Altentrebgast gehörte als Filiale zu einer der frühesten und größten Kirchengemeinden unserer Gegend, nämlich zu Bindlach-Crottendorf. Deren Gründung soll auf die Zeit zwischen 600 - 700 zurückgehen. Die Wegbezeichnung "Pfaffengasse", von St. Johannis über Laineck nach Bindlach, läßt sich daraus erklären.

1564 hat sich Altentrebgast von der Bindlacher Kirchengemeinde getrennt und wurde die selbständige Pfarrei St. Johannis. Zu dieser Pfarrei gehörten 20 Orte und Gehöfte mit 848 Einwohnern sowie 115 Herdstellen. Es ist anzunehmen, dass Altentrebgast zur gleichen Zeit auch weltliche Gemeinde mit dem Ortsnamen St. Johannis geworden ist. Neben der Kirche auf der Felsnase über dem Roten Main, die vermutlich als Wehrkirche gebaut wurde, stand das ehemalige Schloß und der Gutshof der Herren "von Imhof".

1598 ist das Geschlecht der "lmhof" ausgestorben. Schloss und Gutshof fielen an die Markgrafen von Bayreuth auf der Plassenburg.

< Die Kirche steht auf einem Felshügel über dem Tal des Roten Mains

 

Das Schlossgut in St. Johannis heute (an der Steinachstraße) >


Teil 2: 1600 bis 1800 - Zeit der Markgrafen / Eremitage

 

1603 wurde Freiherr von Varell, ein Minister des Markgrafen, Eigentümer dieses Schlosses in St. Johannis. Varell soll den Markgrafen Christian bewogen haben, seine Residenz von der Plassenburg nach Bayreuth zu verlegen. ...

1606 gelang es Varell, dass der große Pfarrwald (jetzige Eremitage) zum Schlossgut kam.

1616 verkauft Varell das Schlossgut St. Johannis an den Markgrafen von Bayreuth. In der Geschichte der Pfarrgemeinde St. Johannis ist zu lesen: "Ein Segen für den Ort und seine Kirche war dieser Mann (gemeint ist Varell), ebenso wenig wie die Markgrafen: denn alles Land (kirchlicher Grund) riss die Herrschaft an sich - bis 1756 sämtliche Pfarrgüter -. Der Ort selber konnte so nicht in die Höhe kommen."

1618 begann der 30-jährige Krieg, der auch über St. Johannis und seine Umgebung viel Unheil brachte. Es wurde von den durchziehenden kaiserlichen Truppen unter Wallenstein gemordet und geplündert (Geschichte der Pfarrei St. Johannis).

1641 zogen die Schweden durch die Pfarrei und verübten die gleichen Untaten an der Bevölkerung.


1715 wurde vom Bayreuther Markgrafen Georg Wilhelm mit dem Bau der Eremitage auf dem Gelände des bereits erwähnten ehemaligen Pfarrwaldes begonnen. Jeder ältere "Kanzer" kennt noch die Bezeichnungen "Pfarrwiese, Pfarrhügel und Pfarrweg" im Bereich der Eremitage.


1741 wurde die alte Kirche abgebrochen, 1743 - 45 die jetzige durch Markgraf Friedrich gebaut. Sein Namenszeichen "F" ist über der Kanzel angebracht. Der Chorturm im Untergeschoss stammt aus dem 14./15. Jahrhundert, die beiden Geschosse darüber aus dem 15./16. Jahrhundert. 1741 - 1745 entstand das jetzige Langhaus mit den zwei Emporen und dem Kanzelaltar. Die Kirche wurde wiederholt renoviert, zuletzt 1973/74.

 

1735 - 53 lebte die Markgräfin Wilhelmine in Bayreuth. In dieser Zeit entstand die heutige Eremitage, deren Bauten und Anlagen im wesentlichen auf die Ideen und Pläne dieser bedeutsamen Frau zurückzuführen sind. Die Markgräfin war die Schwester von Friedrich dem Großen, König von Preußen. 

 

Bilder:

Das (heute so genannte) Alte Schloss und das Neue Schloss entstanden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Die Kirche St. Johannis sieht heute noch so aus, wie sie in der Markgrafenzeit umgebaut wurde. 

Typisch für die sog. Markgrafen-Kirchen im Bayreuther Raum: Die Kanzel befindet sich über dem Altar. 


Aus dem Jahr 1745 stammt der Ausschnitt der "Carte Speziale" von Bayreuth von J. A. Riediger (unten).


St. Johannis ist als "St. Jean" bezeichnet. Neben dem Amtshaus (Schlossgut, der Kirche, dem Pfarrhaus und der Mühle am Roten Main sind 36 Gebäude (Wohnhäuser und Nebengebäude) eingezeichnet.


Das große Gebäude am Backsteinberg - heute Eremitagestraße - wird in einem Lageplan aus dem Jahre 1900 als Wohngebäude mit Brennofen - also Ziegelei - bezeichnet. Daher wohl Name "Backstaberg" sowie der Flurname Ziegelleite (jetzt Straßenname). Das Gebäude - ein Doppelhaus mit Nebengebäuden (Brennofen) - brannte 1900 durch Brandstiftung ab. Heute steht an dieser Stelle das Haus Varellweg 15.

Teil 3: Nach 1800 - Kriege und Moderne Zeiten

 

1803 - 31 war Pfarrer Sieger in der Gemeinde tätig. Er berichtet: "Während des Krieges der Franzosen unter Napoleon gegen Preußen brachte die Einquartierung von Franzosen der Ortschaft und der Pfarrei viel Not und Ärger."

1808 wohnte im Schloss St. Johannis Johann Wolfgang Döbereiner mit seiner Familie. Döbereiner, ein bekannter Chemiker, hatte vorübergehend die Verwaltung des Schlossgutes und der Brauerei übernommen. Er wurde 1810 von der Universität Jena im Herzogtum Sachsen-Weimar (Herzog Carl August) unter Mitwirkung des Geheimen Rates Johann Wolfgang von Goethe zum Professor für Chemie berufen. So berichtet von Dr. Geus in der Festschrift der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Bayreuth zum 75. Jubiläum der Gesellschaft 1889/1964.

1810 kam das Fürstentum Bayreuth (um diese Zeit eine preußische Provinz) nach dem Sieg der Franzosen über die Preußen zu Bayern. Die Bayern mussten 10 Millionen Franken dafür an die Franzosen zahlen. Im Zusammenhang damit wurde aus der Eremitage unter anderem das Landhaus "Mon plaisier" an die Gemeinde St. Johannis verkauft, die das Gebäude notwendig als Schulhaus brauchte. Es blieb Schulhaus bis 1969.

St. Johannis um 1840

1866 fanden Kriegshandlungen zwischen Preußen und Bayern auch in unserer Gegend statt. Am 17. Juni 1866 waren bayerische Kürassiere in St. Johannis und Colmdorf eingerückt. Am 28. 6. 1866 kam es bei Seybothenreuth zum Gefecht zwischen Bayern und Preußen. Viele Bayern wurden gefangen und einige getötet; die Preußen hatten keine Verluste. In einem Kampf zwischen Bayern und Mecklenburgern ist ein bayerischer Soldat, nämlich Ferdinand Luxenberger aus Niederbayern, gefallen. Pfarrer Brock hat den Soldaten in St. Johannis beerdigt. Am 29. Juli quartierten sich 1000 Mecklenburger in St. Johannis ein, am 30. Juli kamen dazu noch preußische Soldaten. Am 22. August 1866 wurde der Friede zwischen Bayern und Preußen geschlossen. (So berichtet in der Kirchengeschichte St. Johannis).

 

1871: Vom Krieg mit Frankreich wird in der Kirchengeschichte berichtet: "Ca. 30 Soldaten mussten von St.Johannis in den Krieg, alle, bis auf Georg Dörsch von St. Johannis, der vermisst blieb, kamen zurück. Auch nachzulesen auf dem Kriegerdenkmal auf dem Backsteinberg (heute Ziegelleite).

 

1889: Gründung der Neuen Baumwollspinnerei in Bayreuth. Ein wichtiges Ereignis für die St. Johanniser. Viele bekamen dadurch einen Arbeitsplatz.

 

1900 war eine Brandwoche in St. Johannis. Ein Brandstifter, namens Expresser, vermutlich aus der Oberpfalz stammend, legte an 7 Tagen Feuer. Die Dorfbewohner waren in heller Aufregung. Soldaten, so wird berichtet, wurden zum Wachdienst herangezogen. Den ersten Brand legte Expresser in seiner eigenen Wohnung, im Doppelhaus Trommer-Schilling. Die Gebäude brannten total ab. Bei einer Brandlegung in der Scheune Feulner wurde er erkannt und überführt. Er wurde zur Zuchthausstrafe auf der Plassenburg verurteilt. Dort hat er sich erhängt. Für Feuerlöschwasser gab es zu dieser Zeit: den Feuerweiher am Dorfplatz (jetzt Altentrebgastplatz), den Mühlbach (Nebenarm des Roten Mains)  und im "oberen Dorf" einen kleinen Weiher (jetzt Garten am Varellweg).

 

1914-18/ 1. Weltkrieg: Aus der Pfarrgemeinde St. Johannis rückten 646 Soldaten ins Feld, davon sind 112 gefallen: 39 waren in Gefangenschaft geraten. Aus der Gemeinde St. Johannis selbst sind 39 Soldaten nicht mehr zurückgekehrt (siehe Gedenktafel für die Gefallenen in der Friedhofshalle und am Kriegerdenkmal).

 

1921: Nach dem 1. Weltkrieg kam nach St. Johannis auch die "Neuzeit". Der Ort bekam elektrisches Licht. Bis dahin waren nur Kerzenlicht, oder die Öl- und Karbidlampen die Hausbeleuchtung. Den Strom lieferten am Anfang die Turbinen und Maschinen der Hölzleinsmühle, der Anschluss an die BELG-Stromversorgung erfolgte später. Auch eine Ortskanalisation wurde durchgeführt.

 

1925 - 28 bekam das Dorf endlich eine zentrale Wasserversorgung (über Eremitage). Bis dahin waren einzelne Tiefbrunnen und die Kellerbrunnen am heutigen Sachsenberg die Wasserstellen für die Einwohner. Das Schloss, das Pfarrhaus und die Mühle hatten eine eigene Wasserversorgung. Die Hausfrauen holten sich mit Blech- oder Holzbutten auf dem Rücken das Trinkwasser von den Brunnen. Der Anschluss an die städtische Wasserleitung erfolgte nach der Eingemeindung 1939.


Das ehemalige Gemeindehaus ("Rathaus") von St. Johannis an der heutigen Steinachstraße

1929 baute die Gemeinde unter Bürgermeister Sonntag ein Gemeindehaus gegenüber dem Schlossgut. Zur gleichen Zeit wurde bereits die Planung und der Bau eines neuen Schulgebäudes erwogen. Der Platz hierfür wurde 1933 von den Besitzern Hochmuth an der jetzigen Imhofstraße gekauft. Jetzt stehen dort 4 Wohnhäuser, denn der Schulneubau in größerem Ausmaß, den modernen Bedürfnissen der Neuzeit entsprechend, konnte bekanntlich erst 1967 - 1977 von der Stadt Bayreuth verwirklicht werden.

 

1932 wurden die Regierungsbezirke Oberfranken und Mittelfranken vereinigt. Regierungssitz wurde Ansbach. Bayreuth hatte zu diesem Zeitpunkt seine Grenzen nach Osten am Roten Main. Eine Grenztafel stand an der Stelle, wo heute die Kerschensteinerstraße in die Königsallee einmündet. Östlich davon begann die Gemeinde Colmdorf. Die Eremitage gehörte zur Gemeinde St. Johannis. Einen Omnibusverkehr in die Eremitage gab es zu dieser Zeit nicht.

 

Am 1. 4. 1939 wurde die Eingemeindung von St. Johannis und Colmdorf im Osten der Stadt, nach Bayreuth vollzogen. In den Gemeinden wurde mit Ansprachen durch Regierungs- und Stadtbehörden der Eingemeindungsakt durchgeführt. Am Rathaus in St. Johannis versammelten sich viele "Kanzer" zu diesem Vorgang. Auch eine Polizeieinheit mit einer Musikkapelle war aufmarschiert. Der Regierungspräsident von Ansbach war ebenfalls anwesend. Im Eingemeindungsvertrag hatte sich die Stadt Bayreuth zum Bau eines Schulgebäudes verpflichtet. Ein modernes Schulhaus mit Turnhalle entstand erst 1967 - 1977 auf der Höhe an der Ziegelleite. Das alte Schulhaus "Mon plaisir" ging wieder an den Staat Bayern zurück...